Wenn alle zusammenhalten, entsteht Magie

Der Nordic-Walking-Kurs der Lungenliga Neuenburg ist mehr als nur ein Sportangebot. Er erlaubt den Teilnehmenden auch, sich auszutauschen, Rat zu holen und Freundschaften zu knüpfen.

Foto: Lungenliga Schweiz


 

Es ist warm an diesem Mittwochabend im Frühsommer. Entsprechend belebt ist der Parkplatz am Hafen von Cortaillod am Neuenburgersee. Es ist ein Kommen und Gehen: Gruppen von jungen Leuten, ältere Paare, Familien, Hundehalter, Joggerinnen und auffallend viele Menschen mit Nordic-Walking-Stöcken. Diese finden sich in kleinen Gruppen zusammen, die meisten scheinen sich zu kennen. «Es ist schön, Sie wieder zu sehen. Geht es Ihnen besser?», fragt eine Frau eine andere. Zwei Männer begrüssen sich mit einem Handschlag. Weit über den Platz schallt das Lachen dreier Seniorinnen. Dann macht sich ein Grüppchen nach dem anderen auf in Richtung See.

Die Region entdecken

Jeden Mittwochabend bietet die Lungenliga Neuenburg eine geführte Nordic-Walking-Stunde an. «Wir treffen uns jedes Mal an einem anderen Ort, so können die Teilnehmenden immer wieder neue Orte entdecken», erklärt Fabio Esteves, einer der Coaches. Rund vierzig Patientinnen und Patienten der Lungenliga Neuenburg haben sich schliesslich versammelt. Viele von ihnen leiden an Schlafapnoe, manche an der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD), wenige an weiteren Lungenkrankheiten. Sie werden auf vier Gruppen aufgeteilt, die alle unterschiedlich schnell unterwegs sind.

Weniger Atemnot dank Training

«Mit solchen Kursen können wir Betroffene motivieren, sich zu bewegen», sagt Noémie Vuilleumier, Verantwortliche des psychosozialen Dienstes der Lungenliga Neuenburg. Regelmässiges Training helfe Menschen mit Lungenerkrankungen, dass sie bei körperlicher Anstrengung weniger an Atemnot litten. Dies kann Philippe Le Boulch, Patient der Lungenliga Neuenburg, bestätigen. Nach einer schweren Lungenentzündung im Jahr 2017 war er auf eine Sauerstofftherapie angewiesen. «Ohne zusätzlichen Sauerstoff konnte ich kein längeres Gespräch führen», erzählt er. Heute geht es ihm besser. «Sogar beim Nordic Walking benötige ich nun keinen Sauerstoff mehr.»

Sozialer Austausch hat gefehlt

Neben dem sportlichen Aspekt sei auch das Soziale sehr wichtig, betont Noémie Vuilleumier. «Dies wurde insbesondere deutlich, als wir wegen des Coronavirus all unsere Kurse absagen mussten. Der regelmässige Kontakt untereinander hat den Leuten extrem
gefehlt.» Umso mehr scheinen die Teilnehmenden das Beisammensein nun zu geniessen. Sie plaudern,
lachen, necken sich, fragen nach. «Wir helfen uns gegenseitig, wo wir können. Das ist schön», sagt Anna Bocskei. Sie gehört zur Gruppe, die am gemütlichsten unterwegs ist. Dort dabei ist auch Edith Samba. «Wenn jemand nicht auftaucht, rufen wir an. Wir bilden Fahrgemeinschaften und wir erzählen uns unser Leben. Kurz: Wir schauen zueinander», erklärt sie. Dies bestätigt Martine Bapst, Beraterin für respiratorische Krankheiten und Leiterin dieser Gruppe. «Sogar Betroffene, die selbst am Anschlag sind, helfen denjenigen, denen es noch schlechter geht. Da entsteht Magie.»

Auf die Freundschaft!

Nach rund 45 Minuten kommen alle Gruppen zum Treffpunkt zurück, machen einige abschlies sende Dehnübungen. An diesem Abend fahren die meisten jedoch nicht gleich zurück nach Hause. Ein Teilnehmer hat einige Tische in einem Restaurant reserviert, zum ersten Mal nach der Corona-Pandemie ist wieder ein gemeinsames Abendessen geplant. «Hast du schon eine Mitfahrgelegenheit?», fragt eine Teilnehmerin Philippe Le Boulch. Dieser nickt, macht einen Spruch, beide lachen. Schon bald werden sie im Restaurant sitzen, ihre Gläser heben und auf die Freundschaft anstossen.

 

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